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Das innere Kind – warum unsere Vergangenheit noch heute mit uns spricht

23. Juni
2 Min. Lesezeit

Kennst du Situationen, in denen du viel stärker reagierst, als es eigentlich angemessen erscheint?

Eine kritische Bemerkung trifft dich tief. Eine Absage fühlt sich wie Zurückweisung an.

Ein Streit mit dem Partner löst Angst, Wut oder Hilflosigkeit aus.


Oft glauben wir, dass diese Gefühle ausschließlich mit dem Hier und Jetzt zu tun haben.

Doch häufig berühren aktuelle Situationen viel ältere Erfahrungen.

In der Psychologie sprechen wir dabei häufig vom "inneren Kind".


Das innere Kind ist kein tatsächlicher Teil in uns, sondern ein Bild für die Erfahrungen, Gefühle und Überzeugungen, die wir in unserer Kindheit entwickelt haben und bis heute in uns tragen.


Nahaufnahme eines gemütlichen Beratungsraums mit Stühlen und einem kleinen Tisch
Nicht alles, was uns heute bewegt, hat heute begonnen.

Die ersten Jahre prägen uns


Wenn wir auf die Welt kommen, sind wir vollkommen abhängig von den Menschen, die für uns sorgen.

Durch ihre Nähe, ihre Reaktionen und ihre Verlässlichkeit lernen wir etwas Grundlegendes:

Ist die Welt ein sicherer Ort? Bin ich liebenswert? Darf ich Bedürfnisse haben?

Werde ich gesehen und gehört?

Aus diesen frühen Erfahrungen entsteht das sogenannte Urvertrauen.

Kinder brauchen dabei keine perfekten Eltern.

Sie brauchen Menschen, die überwiegend verlässlich da sind, Trost spenden, Sicherheit vermitteln und ihnen das Gefühl geben:

"Du bist willkommen, genauso wie du bist."

Wenn diese Erfahrungen immer wieder gemacht werden, entsteht ein stabiles Fundament.


Wenn das Urvertrauen verletzt wird


Nicht jedes Kind wächst unter sicheren Bedingungen auf.

Manche Kinder erleben Ablehnung.

Manche erleben emotionale Distanz. Andere wachsen mit Streit, Unsicherheit, Überforderung oder ständiger Kritik auf.

Oft geschieht das nicht aus böser Absicht.

Viele Eltern geben unbewusst weiter, was sie selbst nie anders gelernt haben.

Ein Kind versteht solche Situationen jedoch nicht wie ein Erwachsener.

Es denkt nicht:

"Meine Eltern sind überfordert."

Es denkt:

"Mit mir stimmt etwas nicht."

Und genau hier entstehen häufig die Überzeugungen, die Menschen ein Leben lang begleiten:

Ich bin nicht gut genug. Ich muss leisten, um geliebt zu werden.

Ich darf keine Fehler machen. Ich darf niemandem zur Last fallen.

Ich muss alles alleine schaffen.


Die Weichen für unser späteres Leben


Diese frühen Erfahrungen beeinflussen oft, wie wir Beziehungen gestalten,

mit Konflikten umgehen oder auf Stress reagieren.

Manche Menschen kämpfen ständig um Anerkennung.

Andere ziehen sich zurück, sobald Nähe entsteht. Wieder andere versuchen, es allen recht zu machen und verlieren dabei sich selbst.

Oft sind das keine bewussten Entscheidungen.

Es sind Schutzstrategien, die einmal sinnvoll waren.

Strategien, die ein Kind entwickelt hat, um mit seiner Umgebung zurechtzukommen.

Das Problem ist nur:

Was einem Kind damals geholfen hat, kann einem Erwachsenen heute im Weg stehen.


Die gute Nachricht


Unsere Kindheit prägt uns, aber sie bestimmt nicht unser Schicksal.

Der erste Schritt zur Veränderung besteht darin, die eigenen Muster zu erkennen.

Zu verstehen, woher bestimmte Ängste, Zweifel oder Verhaltensweisen kommen.

Nicht um Schuldige zu suchen.

Sondern um sich selbst mit mehr Verständnis zu begegnen.

Denn hinter vielen Reaktionen, die wir heute an uns ablehnen, steckt oft ein Teil von uns, der irgendwann gelernt hat, sich schützen zu müssen.


Und genau dort beginnt die Arbeit mit dem inneren Kind:

Nicht im Verurteilen.

Sondern im Verstehen.

Nicht im Kampf gegen die Vergangenheit.

Sondern in der Möglichkeit, heute anders mit ihr umzugehen.

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