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Warum du dich ständig überfordert fühlst – obwohl du eigentlich alles im Griff hast

26. Aug.
3 Min. Lesezeit

Vielleicht kennst du das:

Eigentlich läuft dein Leben.

Du gehst deinen Verpflichtungen nach, kümmerst dich um die Dinge, die erledigt werden müssen, bist für andere da und bekommst deinen Alltag irgendwie organisiert.

Und trotzdem fühlt es sich an, als wäre alles zu viel.

Du bist schneller gereizt. Kleinigkeiten bringen dich aus der Ruhe. Entscheidungen strengen dich an. Du sehnst dich nach einer Pause – und wenn du sie endlich hast, kannst du trotzdem nicht richtig abschalten.

Von außen betrachtet gibt es vielleicht gar keinen offensichtlichen Grund dafür.


Aber Überforderung beginnt nicht erst dann, wenn wir nicht mehr funktionieren.

Manchmal sind gerade diejenigen besonders lange überfordert, die sehr gut darin geworden sind, weiterzumachen.


Nahaufnahme eines gemütlichen Beratungsraums mit Stühlen und einem kleinen Tisch
Wenn alles gleichzeitig wichtig scheint, bleibt für die eigenen Bedürfnisse oft kaum noch Raum.

Funktionieren ist nicht dasselbe wie sich gut fühlen

Wir verbinden Überforderung häufig mit einem Punkt, an dem nichts mehr geht.

Doch unser Alltag kann nach außen weiterhin funktionieren, während wir innerlich längst an unserer Belastungsgrenze angekommen sind.

Wir stehen morgens auf. Wir gehen arbeiten. Wir kümmern uns um Familie, Haushalt und Termine. Wir beantworten Nachrichten und erledigen die nächste Aufgabe.

Was dabei leicht verloren geht, ist die Frage:


Wie geht es mir eigentlich gerade?

Wenn wir über einen längeren Zeitraum hauptsächlich darauf reagieren, was getan werden muss, können die eigenen Bedürfnisse immer weiter in den Hintergrund rücken.

Müdigkeit wird übergangen.

Anspannung wird normal.

Pausen werden verschoben.

Grenzen werden noch ein kleines Stück weiter ausgedehnt.

Bis irgendwann selbst Dinge anstrengend werden, die früher kein Problem waren.


Warum plötzlich Kleinigkeiten zu viel sein können

Manchmal ist es nicht die eine große Belastung.

Es sind viele kleine Dinge, die sich über einen längeren Zeitraum angesammelt haben.

Der volle Terminkalender. Verantwortung. Erwartungen anderer Menschen. Konflikte. Sorgen. Zu wenig Erholung. Der Anspruch an uns selbst, allem gerecht werden zu müssen.

Kommt dann noch eine Kleinigkeit dazu, kann sie sich unverhältnismäßig groß anfühlen.

Nicht unbedingt, weil diese eine Situation so belastend ist – sondern weil vorher schon kaum noch Raum vorhanden war.


Das kann sich ganz unterschiedlich zeigen:

  • du bist schneller gereizt oder emotional

  • du hast Schwierigkeiten abzuschalten

  • selbst kleine Entscheidungen fühlen sich anstrengend an

  • du ziehst dich häufiger zurück

  • du fühlst dich ständig unter Zeitdruck

  • du hast das Gefühl, nur noch zu funktionieren

  • du möchtest eigentlich Ruhe, wirst in Ruhe aber unruhig

  • du merkst erst sehr spät, dass dir etwas zu viel geworden ist


„Ich müsste das doch eigentlich schaffen“

Zu der eigentlichen Belastung kommt häufig noch etwas hinzu: die Bewertung der eigenen Überforderung.

Andere schaffen das doch auch.

Eigentlich ist doch gar nichts Schlimmes passiert.

Ich müsste belastbarer sein.

Warum bekomme ich das gerade nicht hin?

Solche Gedanken können zusätzlichen Druck erzeugen.

Dabei sagt Überforderung nicht automatisch etwas darüber aus, wie belastbar ein Mensch ist. Entscheidend ist nicht nur, was gerade passiert, sondern auch, wie viel wir bereits tragen, welche Ressourcen uns zur Verfügung stehen und wie lange wir schon über unsere eigenen Grenzen gehen.

Zwei Menschen können deshalb in einer ähnlichen Situation vollkommen unterschiedlich reagieren.


Die eigenen Bedürfnisse wieder wahrnehmen

Wenn wir lange funktioniert haben, ist die Antwort auf die Frage „Was brauche ich gerade?“ manchmal überraschend schwer.

Denn Bedürfnisse wahrzunehmen ist etwas anderes, als zu wissen, was als Nächstes erledigt werden muss.

Ein erster Schritt kann deshalb sein, nicht sofort nach einer Lösung zu suchen, sondern wieder genauer hinzuschauen:


Was belastet mich gerade wirklich?

Was davon kann ich beeinflussen – und was nicht?

Wo sage ich Ja, obwohl ich eigentlich Nein meine?

Was tue ich hauptsächlich, weil ich glaube, dass es von mir erwartet wird?

Wann habe ich zuletzt etwas getan, das mir tatsächlich Kraft gegeben hat?


Dabei muss nicht sofort das ganze Leben verändert werden.

Manchmal beginnt Veränderung damit, überhaupt wieder wahrzunehmen, dass eine Grenze erreicht ist.


Du musst nicht erst warten, bis nichts mehr geht

Psychologische Unterstützung wird häufig erst dann in Anspruch genommen, wenn die Belastung kaum noch auszuhalten ist.

Dabei darf Unterstützung viel früher beginnen.

Nicht erst in dem Moment, in dem du nicht mehr funktionierst.

Sondern auch dann, wenn du merkst:


So wie es gerade ist, möchte ich nicht dauerhaft weitermachen.


In der psychologischen Beratung kann ein geschützter Raum entstehen, in dem wir gemeinsam sortieren, was gerade belastet, welche Muster möglicherweise immer wieder auftauchen und was du brauchst, um wieder mehr Klarheit und Handlungsspielraum zu bekommen.

Denn manchmal geht es gar nicht darum, noch besser darin zu werden, alles zu schaffen.


Manchmal geht es darum herauszufinden, was du überhaupt noch tragen möchtest.

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